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Gefleckte Löwen
Autoren: Markus Hemmler, Frank Huber

1931 erlegte der Farmer Michael D. Trent auf einer Höhe von 3048 Metern in den kenianischen Aberdare Bergen ein ungewöhnliches Löwenpärchen, das er durch einen angebundenen Wasserbock als Köder angelockt hatte. Das Fellmuster der beiden Tiere wies deutliche und markante Flecken, analog dem Fellmuster eines Leoparden, auf.

Berichte über derartig gefleckte Löwen in der Gegend um die Aberdare Berge gab es bereits am Anfang des Jahrhunderts.

  • Der britische Offizier Richard Meinertzhagen hörte im Jahr 1903 von den Kikuyu über eine ihm unbekannte Löwenart mit geflecktem Fell die die Einheimischen „marozi“ nannten und damit deutlich vom Löwen „simba“ unterschieden.
  • Der bekannte Naturkundler und Parkaufseher Blayney Percival berichtete 1924 von einem selbst erlegten Löwenpärchen, mit äußerst ungewöhnlichem Fell.
  • Der Wildaufseher Captain R.E. Dent sichtete 1931 vier Löwen, die auf einer Höhe von etwa 3300 Metern nahe der Quelle des Mt. Kenia Garcia-Flusses, die ihm dunkler und kleiner vorkamen als andere Löwen. Dent erklärte sich dies jedoch mit einem Trick des Lichts. Nur einige Monate später informierten ihn seine einheimischen Assistenten, dass sie eine ungewöhnliche Katze gefangen hatten, die in ihrem Äußeren zwischen einem Löwen und einem Leoparden lag. Sie hatten jedoch unglücklicherweise das Fell dieses Tieres nicht aufbewahrt.
  • 1933 reiste der junge Abenteurer Kenneth G. Dower nach Kenia auf der Suche nach den geheimnisvollen Marozi. Er fand sie zwar nicht, sammelte jedoch bei den Kikuyu weitere Informationen und Erzählungen über sie, welche er in seinem Buch „The Spotted Lions“ niederschrieb. Zudem überließ er dem Zoologen und Raubtierexperten Reginald Pocock vom Londoner National History Museum das Fell des männlichen Marozi und einen Löwenschädel, den man auf der Suche nach den Gebeinen des von Michael D. Trent erlegten Pärchens fand, zur weitergehenden Analyse (Trent häutete die beiden Tieren als Jagdtrophäe und ließ die Skelette einfach liegen).

Nach der Veröffentlichung von „The Spotted Lions“ und der Analyse von Pocock entwickelte sich ein großes Interesse an diesen Tieren, weshalb auch weitere Berichte auftauchten.

  • 1948 berichtete G. Hamilton-Snowball gegenüber dem Fachblatt „The Field“, dass er viele Jahre vor Dower bereits von den Kikuyu über die Marozi hörte. Sie beschrieben diese als sehr unterschiedlich vom typischen Löwen, kleiner in der Größe, gefleckt, in Paaren jagend und nur in hochgelegenen Regionen lebend. Zudem sichtete Hamilton-Snowball 1923 auf dem Kinangop-Plateau, gelegen in den Aberdare Bergen, in schlechten Lichtverhältnissen zwei Tiere, die für ihn wie sehr gelb-braunfarbene und irgendwie ausgewaschen wirkende Leoparden aussahen. Seine einheimischen Begleiter jedoch murmelten als er gerade zum Schuss ansetzte aufgeregt immer wieder ein ihm bis dahin unvertrautes Wort – „Marozi“. Nachdem ihm die Tiere entkommen waren, befragte er seine Begleiter. Löwen würden nicht in diese Höhe kommen, aber die Marozi würden hier leben.
  • Während des Aufstands der Mau-Mau im Jahr 1952 wurden weitere Berichte von verschiedenen Personen über die Marozi gesammelt, seitdem jedoch gelten die geheimnisvollen Tiere als romantisches Wildnismärchen aus der Zeit des zweiten Weltkrieges.

Das einzig greifbare Beweisstück bleibt, nachdem es seit über 50 Jahren keine weiteren Hinweise gibt, das noch heute im Londoner National Museum of History in der nichtöffentlichen Sammlung aufbewahrte Fell des männlichen Marozi, dass nach Reginald Pocock’s Analyse folgende Daten aufweist:

  • männlich
  • Länge Kopf und Körper 178, 67 Zentimeter
  • Schwanz (ohne abschließenden Haare) 83, 82 Zentimeter
  • zusammen etwa 2, 64 Meter
  • geschätzt anhand der Größe um 3 Jahre alt
  • spärliche Mähne, mit längstem Haar von 12,7 Zentimeter
  • große „jaguarähnliche“ Rosetten angeordnet in schrägen, vertikalen Linien
  • größte Rosette im Durchmesser 85 auf 45 bzw. 65 auf 65 Milimeter
  • Rosettenfarbe an den Flanken blasses gräulich-braun mit dunklem Zentrum
  • Rosettenfarbe an den Beinen rauchfarben-gräulich

Zum Schädel, den man später in der Nähe des Ortes fand an dem Michael D. Trent die Marozi tötete und den man diesen zuordnete, konnte Pocock berichten:

  • alle Zähne und der Unterkiefer fehlen
  • alle Nähte des Schädels geöffnet, daher nicht voll ausgewachsen
  • Geschlecht nicht sicher bestimmbar, vermutlich weiblich
  • Schädel insgesamt kleiner als alle damals bekannten aus Ostafrika

Eine präzise Schlussfolgerung bezüglich der Marozi anhand des Felles und des Schädels konnte Pocock ohne weiteres Material von erwachsenen Tieren nicht geben.

Im Laufe der Zeit entwickelten sich viele Spekulationen, was genau die Marozi eigentlich sind. Eine Sinnestäuschung durch optische Illusion, eingewanderte Somali-Löwen (die Flecken entwickelten) oder sogenannte Leopon (ein Hybrid aus Löwe und Leopard, die man nur aus Zoos kennt). Kenneth Gandar Dower hoffte selbst auf eine neue Löwenart, die sich an ein Leben in Bergwäldern angepasst hatte. Reginald Pocock und der angesehene Wildhüter Colonel C.R.S. Pitman waren von der Existenz einer kleineren Löwenart in den Bergen Kenias überzeugt. Bernard Heuvelmans, der moderne Vater der Kryptozoologie, folgte dieser Schlussfolgerung und gab den Marozi einen eigenen Artnamen „Leo maculatus“ (lateinisch für „gefleckter Löwe“).
Nach heutiger Ansicht des Londoner National Museum of History handelt es sich, entgegen der Analyse von R. Pocock, um ein lediglich einjähriges Männchen welches sein (ausgeblichenes) Jugendfell beibehalten hat. Gestützt wird diese Expertise durch die 1968/69 aufgenommene Fotografie eines ähnlichen, lebenden Tieres aus dem Nairobi Nationalpark.

Ob dies das letzte Wort in der Angelegenheit bleibt, wird sich jedoch erst erweisen wenn das Museum die Analyse, insbesondere im Hinblick auf die unterschiedliche Analyse zu Pocock, erläutert.


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