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Der Eurasische Luchs
Lynx lynx (Linnaeus, 1758)
Autor(in): Frank Huber

Dass der Luchs auch einmal im deutschsprachigem Raum weit verbreitet war, kann sich heutzutage kaum jemand vorstellen. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass der Luchs in weiten Teilen Europas vor einigen Jahrzehnten völlig ausgerottet wurde. Doch auch heute noch hat der Eurasische Luchs, trotz zahlreicher Bemühungen ihn an einigen Orten wieder einzuführen, mit zahlreichen Problemen und Vorurteilen zu kämpfen. Gelingt es diese auszumerzen, dann hat auch das 'Pinselohr' ganz sicher wieder eine Chance in unseren Wäldern heimisch zu werden um so unsere Fauna um ein wundervolles Tier reicher zu machen.
Sibirischer Luchs; Heidelberger Zoo; Mai 2001; © www.schmode.net
Foto: © Ralf Schmode

Aussehen

Mit einer Körperlänge von 80-130 cm und einer Schulterhöhe von 60-70 cm ist der Eurasische Luchs nicht nur die größte Art innerhalb der Gattung der Luchse, sondern auch die größte Raubkatze Europas. Die im Vergleich zu anderen Katzenarten langen Beine und die großen Pfoten erleichtern dem Luchs die Fortbewegung in schneereichen Gebieten.
Was alle Luchsarten unverwechselbar macht, sind vor allem die auffälligen Haarbüschel an den Ohren, der kurze Schwanz, der beim Eurasischen Luchs etwa 11-35 cm misst, und dem beim Nordluchs (wie der Eurasische Luchs bisweilen genannt wird) besonders schön ausgeprägten Backenbart.
Auf gar keinen Fall verwechseln sollte man den europäischen (und natürlich auch die anderen Luchse der Gattung Lynx) mit dem hauptsächtlich in Afrika verbreitetem Wüstenluchs, der im dortigen Sprachgebrauch manchmal auch schlicht und einfach "Luchs" genannt wird. Auch wenn er ähnlich imposante Haarbüschel an den Ohren aufweist ist er mit den echten Luchsen nur in dem Maße verwandt, wie mit den meisten anderen Katzen auch.
Das Fell des Eurasischen Luchses ist rötlich-braun bis grau-beige, wobei die mehr rötlichen Luchse meist ein deutlich ausgeprägtes Fellmuster mit dunklen Flecken besitzen, während die grau-beigen Tiere ein in der Regel weniger deutliches bzw. helleres Muster aufweisen. Die Fellzeichnung lässt sich einfach in zwei verschieden Grundtypen einteilen: überwiegend gepunktet und überwiegend ungemustert. Im Winter, bzw. in kalten Regionen das ganze Jahr über, ist das Fell dieser Katzen meist etwas heller gefärbt. Vieleicht deshalb um auch bei Schnee nicht unnötig aufzufallen, denn eigentlich ist die Fellzeichnung des Eurasischen Luchses bestens geeignet um auf dem Untergrund eines laubbedeckten Waldboden für das Auge quasi zu verschwinden.
Fellzeichnung Luchs Fellzeichnung Luchs Fellzeichnung Luchs
Diese drei Beispiele zeigen, wie vielfältig die Fellzeichnung des Eurasischen Luchses sein kann.

Insgesamt kann man - was die Größe des Luchses angeht - ein Ost-West Gefälle feststellen: Denn während die ostsibirischen Luchse allgemein als die Größten innerhalb ihrer Art gelten, sind die Luchse in Europa und besonders im Kaukasus von kleinerer Statur. Letztere ähneln mit ihrer kleinen Größe und ihrem rötlichen Fell mit deutlich ausgeprägter Fellzeichnung übrigens dem Spanischen Luchs (Lynx pardinus).

Lebensraum

Der Eurasische Luchs ist vor allem in waldreichen Gebieten mit dichtem Unterholz zu finden, das ihm Deckung bei der Jagd bietet. Offene Landstriche, wie Felder und Wiesen meidet er zwar in der Regel, aber in einigen Gebieten ist er auch in offeneren Lebensräumen anzutreffen. Zu diesen zählen zum Beispiel die Halbwüsten in Zentralasien oder die baumlose Tundralandschaft im Norden Sibiriens. Selbst im Gebirge oberhalb der Baumgrenze gibt es Luchse. In echten Wüsten ist er dagegen nicht anzutreffen, auch dichtbesiedelte Gebiete werden von dem scheuen Tier gemieden.

Verbreitung

Der Eurasische Luchs hat eines der größten Verbreitungsgebiete aller Katzenarten, das von der Nordseeküste im Westen bis hin zur Pazifik-Küste in Osten und vom Himalaya im Süden bis über den Polarkreis hinaus im Norden reicht. Früher war er nicht nur im Mittleren Osten und in Asien, sondern auch in einem großen Teil Europas verbreitet, aber wurde in der Vergangenheit durch übermäßige Bejagung und Lebensraumverlust stark dezimiert, so dass er hier in den letzen 150 Jahren großflächig ausgerottet wurde. Nur in den nördlichen und östlichen Ländern Europas sind noch größere Populationen zu finden. Im restlichen Europa heimische Luchse sind vor allem Tiere, die wiederangesiedelt oder in der jüngsten Vergangenheit wieder zugewandert sind.
Im Folgenden soll kurz dargestellt werden, wieviele Luchse es etwa in den verschieden Verbreitungsgebieten gibt. Leider konnte ich die Daten nicht so differenziert und objektiv betrachten, wie ich es gerne gemacht hätte. Diese Übersicht darf keinesfalls als vollständig betrachtet werden, oder gar als 100% richtig. Denn grundsätzlich gilt bei solchen Zahlen: Sie sind nur sehr grob geschätzt! Hinzu kommt das sehr große Verbreitungsgebiet des Luchses, das natürlich auch sehr dünn besiedelte und unzugängliche Gebiete mit einschließt. Die Art und Weise der Zählung wird vermutlich auch zu einem mehr oder weniger genauen Ergebnis führen (Telemetrie, Fährten, etc.). Auf die Schweiz bezogen wurden nur erwachsene Tiere in der Zählung berücksichtigt, auf die anderen Länder und Regionen trifft dies hoffentlich ebenfalls zu. Die Zählungen sind vermutlich alle aus den 1990er Jahren.
Im Dreiländereck (Deutschland, Österreich, Tschechische Rebublik) leben etwa 100 Luchse auf ca. 6000 km². In den Alpen gibt es etwa 150 Luchse, die jedoch auf viele kleine Populationen verteilt sind, im Juragebirge sind es etwa 100 Luchse. Frankreich hat zwei voneinander getrennte Populationen in den Vogesen und in den Pyrenäen. Im Balkan gibt es in den Ländern Jugoslawien, Albanien, Griechenland und Mozedonien etwa 50 Luchse, in den Ländern Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegownia etwa 200 (wiederangesiedelte) Luchse. Neben diesen kleinen isolierten Populationen, gibt es es in den Karpaten (Slowakei, Tschechische Rebublik, Polen, Ukraine, Rumänien, Jugoslawien) eine etwa 2.200 Individuen große Population, die sich auf ca. 104.000 km² verteilen. Sie ist gleichzeitig die größe selbständige Population, die nicht mit der russisch-sibirischen Population in Kontakt steht. In den Skandinavischen Ländern Norwegen, Schweden und Finnland leben zur Zeit etwa 2.500 Luchse auf ca. 873.000 km², die mit der baltischen und russisch-sibirischen Populationen in Kontakt stehen. Die baltische Population besteht aus etwa 2.000 Luchsen.

Unterarten

Lynx lynx asabelini
Lynx lynx dinniki
Lynx lynx kozlowi
Lynx lynx sardiniae
Lynx lynx subsolamus
Lynx lynx wragelli
Lynx lynx stroganovi
Lynx lynx neglectus

Kaukasus, Iran, Türkei
Zentral Sibirien


Östliches Sibirien

Russland, entfernter Osten, China


Größe & Gewicht

Körperlänge:
Schwanzlänge:
Körperhöhe(bis Schulterblatt):
Geburtsgewicht:
Gewicht:
Höchstalter:
80-110 cm
sehr kurz
65 cm
ca. 250 g
ca. 22 kg
15 Jahre (25 J. in Zoos)

Eurasicher Luchs im Tierpark Dessau
Foto: © big-cats.de / Tierpark Dessau

Lebensweise

Katzentypisch zieht der Eurasische Luchs als Einzelgänger umher. In den meisten Teilen des Verbreitungsgebietes ist er vor allem in der Morgendämmerung und während der Nacht ist aktiv. Jeder erwachsene Luchs durchstreift ein festes Revier. Die Gebiete der Männchen sind größer als die der Weibchen, was dazu führt, dass jedes Männchenrevier zumindest eines, manchmal auch zwei der Weibchenreviere vollständig umschliesst. Während die Männchen ihre Territorien regelmässig durchstreifen, halten sich Weibchen besonders häufig in bestimmten Bereichen ihrer Reviere auf. Die Grösse der Reviere richtet sich vor allem nach der Beutetierdichte und ist aus diesem Grund von Gebiet zu Gebiet verschieden. Im Durchschnitt kommen auf je 100 Quadratkilometer je ein Luchs. In einigen Bereichen Osteuropas wurden auf Grund einer hohen Beutedicht über zehn Individuen je 100 Quadratkilometer gezählt.

Paarungsverghalten

Die Paarungszeit des Eurasischen Luchses fällt normalerweise in die Monate März und April. Nach einer Tragzeit von ca. 70 Tagen kommen im Mai oder Juni in einem sorgfältig ausgewähltem Versteck 2-3 Junge zur Welt.

Jungenaufzucht

Wie alle Katzenjungen sind die Neugeborenen typische Nesthocker. Bei der Geburt sind sie noch Blind. Erst nach etwa 12 Tagen öffnen sich ihre Augenlider. Sie werden ca. 10 Wochen lang von ihrer Mutter gesäugt, beginnen aber bereits nach sieben Wochen feste Nahrung zu sich zu nehmen. Im Alter von sechs bis sieben Monaten unternehmen sie erste Jagdversuche. Nach 10 Monaten verlassen sie ihre Mutter, bleiben aber für die nächsten Wochen noch im vertrauten Revier. Mit der Zeit, in der ihre Mutter erneut Junge bekommt müssen sie ihr Revier verlassen. Dies ist für die Jungen Luchse die schwierigste Zeit ihres Lebens. In unbekannten Terrain müssen sie Jagen, Reviere andere Luchse umgehen, Straßen und Siedlungen passieren. Viele Luchse überleben die Zeit, bis sie ein eigenes Revier gefunden haben nicht.

Jagdverhalten

Luchse jagen bevorzugt in der Abenddämmerung, wobei sie sich aus dem Hinterhalt anschleichen. Eine Jagd auf ein bestimmtes Beutetier kann Stunden oder auch Tage dauern. Zur Beute des Eurasischen Luches gehören Mäuse bishin zu Hirschen. Er bejagt sogar andere Raubtiere, wie zum Beispiel Füchse, kleinere Katzen und Marder. Seine bevorzugte Beute sind jedoch Huftiere. In den Schweizer Alpen besteht der Anzahl nach 90% der Beute aus Rehen und Gemsen. Nach dem Gewicht sogar 98%. Ein ausgewachsener Luchs benötigt pro Woche circa eins der besagten Huftiere. Ist es dem Luchs ersteinmal gelungen ein Beutetier zu überwältigen tötet er es mit einem gezielten Biss in Kehle oder Genick. Anschließend schleppt der Luchs das erlegt Tier ins dichte Unterholz, um sich vor Nahrungskonkurenten zu verbergen. Hat er sich gesättigt, deckt er die Beute mit Gras, Laub oder Schnee ab und kommt in der nächsten Nacht wieder zurück zum Riss.

Wissenswerte / Sonstiges

Zwar gilt der eurasische Luchs als nicht gefährdet, allerdings wurde er im europäischen Gebiet weitgehend ausgerottet. Da er gelegentlich Haus- und Nutztiere riss, wurde er als "Schädling" angesehen und dementsprechend erbarmungslos gejagt. Inzwischen wird recht erfolgreich versucht Luchse in heimischen Wäldern wieder anzusiedeln.
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